Dienstag, 21. September 2010

West Coast II - Greymouth 12.- 15. Juli

Weiter geht unsere Reise von Karamea an der Westküste entlang nach Greymouth. Einen kurzen Stopp haben wir eingelegt, um den Walkway zu Lake Hanlon noch auszuprobieren. Als wir den Hügel hochgegangen waren und auf der anderen Seite herunterschauten, dachten wir, den See in weiter Entfernung schon sehen zu können. Nach einer Minute standen wir plötzlich schon direkt davor. Der See ist so spiegelglatt, dass es ausgesehen hat, als ob die sich spiegelnden Bäume echt seien und es noch ganz weit den Hang hinunter geht. Wir haben lediglich das kleine Stück gespiegelten Himmel für den See gehalten.

Lake Hanlon
Kurz vor Greymouth haben wir uns noch die Pancake Rocks angeschaut. Das sind Felsformationen an der Küste, die aus sehr vielen dünnen Schichten bestehen.

Ente, Ente, Ente, Ente, Ente, Ente, Ente...
Unklar ist, wie diese Schichten entstanden sind. Man weiß nur, dass das Meer die weicheren Schichten zwischen den festeren mit der Zeit herausgespült hat und somit nur noch letztere sichtbar sind, wie aufeinandergestapelte Pfannkuchen. Man kann auf angelegten Wegen dazwischen herumlaufen und sieht unten das Meer toben.

In Greymouth hat uns das Hostel schwer beeindruckt. Das Global Village hat zurecht eines der höchsten BBH-Ratings bekommen. Es ist so einladend und gleichzeitig gut durchdacht, dass wir uns spontan entschlossen haben, drei Nächte zu bleiben, um einen Ausschlaf- und Faulsein-Tag im Hostel zu verbringen.

Hier kann man sich ein Frühstücksei kaufen.
Am nächsten Tag besuchen wir Shanthytown, ein Freilichtmuseum, das die Zeit des Goldrauschs darstellt. Man kann zum Beispiel in einem antiken Laden Süßigkeiten kaufen, ein altes Krankenhaus anschauen und natürlich Gold waschen.

$5 bezahlt, $5 Gold gefunden, Zufall?
Unsere Reise geht weiter über den Arthur's Pass zum Skifahren auf Mount Hutt. Wir kommen durch Otira, ein Ort, der im Moment zum Verkauf steht. Wenn jemand von euch Lust hat, Otira Hotel und den Rest des Dorfes (der aus ca. 5 Häusern besteht) zu besitzen, hier bietet sich die Gelegenheit. Kostet nur $ 1,2 Millionen.
Otira - der kleine Ort versteckt sich hinter dem Schild
Der Arthur`s Pass bietet eine top Kulisse. Je weiter man fährt, desto mehr schneebedeckte Berge tauchen auf.

Arthur`s Pass - Von Greymouth nach Christchurch
Wir halten an einem Aussichtspunkt, wo sich ein Kea für unser Auto interessiert.

"Noch dreimal schnäbeln und das Ding ist ab!"
Es soll schon vorgekommen sein, dass Touristen ihr Auto ohne die Windschutzscheibe vorgefunden haben, weil ein Kea sich an der Gummidichtung zu schaffen gemacht und diese ganz ordentlich entfernt hat. Die Keas tauchen dort auf, wo interessante Gegenstände zu finden sind, meistens irgendetwas von uns Menschen. Keas sind sehr intelligent, lernen durch Zuschauen und versuchen, alles Mögliche mit ihren Schnäbeln auseinanderzunehmen, zu bewegen und zu analysieren. Außerdem erhoffen sie sich, gefüttert zu werden. Das Problem ist, dass sie vom Menschen abhängig werden, je mehr Futter sie erhalten.

Donnerstag, 16. September 2010

West Coast - Karamea 10.-12. Juli

Die Strecke von der Golden Bay zur Westküste der Südinsel führt durch die Buller`s Gorge. Wir hatten von mehreren Leuten den Tipp bekommen, tagsüber zu fahren, wenn man möglichst viel von der Umgebung sehen kann. Die scenic route führt durch eine schöne Landschaft und es gibt einige Lookouts. Den mit der besten Aussicht haben wir für die Lunchpause ausgesucht. Es war zwar ziemlich eisig dort oben, aber die Sonne hat die Landschaft freundlich beleuchtet. Nach einem Stück Geburtstagskuchen zum Nachtisch ging`s weiter. Ein bisschen später kam uns extra zu Markus Geburtstag eine Oldtimerparade entgegen. Da das eine Überraschung war, hatten wir leider den Fotoapparat nicht sofort parat und konnten nur einen der Nachzügler fotographieren. Am späten Nachmittag waren wir endlich an der Westküste, die wir noch nach Norden entlangfahren mussten, um zu unserem Ziel Karamea zu gelangen. Bei Sonnenuntergang haben wir noch einen kurzen Stopp bei einer Palme gemacht und dort eine Fotosession gestartet. An das Motiv erinnert ihr euch vielleicht noch von einem vorherigen Eintrag.

In Karamea erwartet uns ein chaotisches Hostel im Hippiestyle mit eigener Radiostation, schlecht belüfteter Küche und verrauchter Lounge. Wir fragen uns zum Besitzer durch und werden in das kleine Radio Karamea-Kabuff geführt, wo wir zu unserer Erleichterung erfahren, dass wir nicht direkt im Hostel untergebracht werden, sondern eine eigene "Bach" bekommen. Das ist eine Art sehr einfaches kleines Ferienhaus. Muss man in NZ einfach mal ausprobiert haben, denn viele Neuseeländer haben irgendwo eine, das gehört hier zum Lifestyle. Unsere ist die gelbe, von innen stilecht im 70er Jahre Design eingerichtet worden. Die Möbel und Teppiche sehen gleichzeitig neu (weil gut erhalten) und alt aus. Wir lassen Markus Geburtstag bei einer Flasche teurem Wein und einem gemütlichen Dinner ausklingen.

Am nächsten Tag entschließen wir uns zu einem Mix aus mehreren kürzeren Walkways im Oparara Basin.


Limestone Arch
Dort gibt es Felsbögen, Höhlen, Steinformationen, einen im Busch versteckten See und Infotafeln über die ereignisreiche Entstehung der Walkways: Eine Gruppe von Leuten, die die Wege angelegt haben, entschlossen sich dazu, ihr Camp mitten im Busch aufzuschlagen, da die tägliche Anfahrt zu viel Zeit gekostet hatte. Damit zogen sie die Aufmerksamkeit der Wekas auf sich, die sich von nun an einen Spaß daraus machten, ihre Werkzeuge zu verstecken, Essen zu klauen oder früh morgens Weckdienst zu spielen.

Oparara Basin
Wieder zurück am Parkplatz werden wir schon von ein paar Wekas erwartet, sehr neugierige Vögel, die darauf hoffen, etwas Futter abgreifen zu können. Einer ist so penetrant, dass er fast mit ins Auto eingestiegen wäre.

neugieriger Weka auf Futtersuche
und noch ein Vogel

Mittwoch, 8. September 2010

Golden Bay 8.-10. Juli

Die nächsten Übernachtungsmöglichkeiten zu finden, war nicht ganz einfach. Wir wollten uns einiges in der Golden Bay anschauen, das sonnige Gebiet in der Nähe des Abel Tasman National Parks. Viele Hostels haben dort im Winter aber geschlossen. Verständlich, dass der Reiseführer sagt, in der Gegend sei nicht viel los. Stimmt... Auf dem Weg zu dem einzigen Hostel, das noch ein Zimmer für uns hat, halten wir beim Hawkes Lookout, genießen die Aussicht und den Sonnenschein.
Der nächste Stopp ist Harwood`s Hole.

Lunch auf dem Campingplatz, kalt aber sonnig;-)
Wir machen Mittagspause auf dem Campingplatz, bevor wir durch den Wald wandern, um zu dem größten Loch der südlichen Hemisphäre zu gelangen. Harwood`s Hole ist so groß, dass man gar nicht richtig runtergucken kann. Kurz gesagt: Der Weg ist das Ziel - eigentlich hat es uns im Wald besser gefallen.

auf dem Weg zu Harwood`s Hole...
Haben auch den kleinen steilen Abstecher zum Aussichtspunkt noch mitgenommen und ...seht selbst:


Aussichtspunkt bei Harwood`s Hole
Es war noch nie so wenig anstrengend zu einem lookout zu kraxeln. Im Wald haben wir ja keine Ahnung gehabt, wie hoch wir schon sind!

Weiter geht die kurvenreiche Fahrt über die Hügel - man hat das Gefühl, wirklich weit ab vom Schuss zu sein.
Das kleine Hostel in der Nähe von Takaka ist sehr gemütlich und die Besitzer nett. Man merkt sofort, dass sie selbst schon viel gereist sind. In der Lounge hängen Weltkarten, in denen ihre Motorradtouren eingezeichnet sind, und wir bekommen prima Tipps, wie wir den nächsten Tag verbringen können. Wir entscheiden uns aber erstmal auszuschlafen und dann gemütlich zu frühstücken. In der Sonne zu sitzen hebt die Stimmung sehr und lässt uns hoffen, dass der Winter in Neuseeland doch nicht so fies wird. Ein perfekter Tag, um die Waikoropupu Springs anzuschauen, mit 90 000 Liter Wasser pro Minute die größte Süßwasserquelle Neuseelands.

Pupu Springs bei Takaka
Nicht weit davon werfen wir noch einen Blick in ein altes Elektrizitätswerk. Dann geht`s weiter zu einem echten Golden Bay-Strand mit sehr hübschen Muscheln und weiter am "Achtung Pinguine"-Schild vorbei zum alten Schiff von Jacques Cousteau, das zum Café umfunktioniert wurde.


Schiff und Café
Da es - wie so vieles hier - im Winter geschlossen hat, suchen wir uns ein anderes Plätzchen, wo wir den Nachmittag bei einer Tasse Kaffee ausklingen lassen. Schade, dass es schon am nächsten Tag weiter geht. Nur ein Tag Golden Bay, trotzdem viel gesehen!

Der nächste Tag ist Markus Geburtstag. Es gibt einen Kuchen, ein Geschenk, ein Teelicht und wir sind in Aufbruchsstimmung. Wir besuchen noch schnell die Schafe (ausnahmsweise rennen sie nicht vor uns weg!) hinter dem Hostel und entdecken ein altes ausgebautes Wohn-Irgendwas mit Rädern unten dran.


Hier scheint noch jemand zu wohnen.
Es wird wirklich früh dunkel hier, daher ist uns das vorher noch nicht aufgefallen.
Kurz vor der Abfahrt kommen wir mit dem Hostelbesitzer ins Gespräch über den leckeren Kaffee, den das Hostel für die Gäste bereitstellt. Das kleine Schild "Totally Roasted" verrät die Bezugsquelle: eine Kaffeerösterei direkt um die Ecke. Doch irgendwie scheint da was nicht zu stimmen... Unser Gegenüber verrät uns, dass der Kaffee den wir trinken von einer anderen Rösterei kommt, zu der sie vor kurzem gewechselt sind. Gründe gibt es einige, z.B. dass die Besitzer von Totally Roasted einen schräg anschauen, wenn man  5kg Kaffee kauft; sie wären doch keine Fabrik, oder dass man nach mehr als 8 Jahren als Dauer-Kunde immer noch unbekannt zu sein scheint, oder keine Tasse Kaffee angeboten bekommt, während man wartet. Aber eher ausschlaggebend ist wohl der raue Ton den Kunden gegenüber, der der Rösterei den Spitznamen "Totally Rude" (also total unverschämt/rüde) eingebracht hat. Es sind wohl schon Leute in die lokale Bar gekommen, die sich über den Umgangston beschwert haben und die Umbenennung vorgeschlagen haben, worauf das ganze Lokal nur wissend nickte und bestätigte, dass der Name in der ganzen Gegend durchaus üblich ist.

Wir sind auch jetzt gerade in der Golden Bay. Haben ein Hostel in Takaka gefunden, in dem wir für 2 Stunden am Tag Mithelfen kostenlos wohnen können. Das Kiwiana hat gestern nach drei Monaten Winterpause wieder geöffnet, Gäste haben sich noch nicht blicken lassen. Das Wetter ist ziemlich unbeständig, manchmal kommt viel Wasser vom Himmel - jetzt gerade sitzen wir auf der schönen Terrasse in der Sonne. Man kann von hier aus Berge sehen, deren Gipfel bis vor Kurzem noch mit Schnee bedeckt waren. Der Frühling ist vor allem wegen der blühenden Kirsch- und Magnolienbäume nicht mehr zu übersehen. Vom Erdbeben haben wir hier nichts gemerkt, aber die Medien berichten über nichts anderes mehr als vom Chaos in Christchurch. Die Situation dort wird schlimmer, da es noch immer Nachbeben gibt. Mehr als 100.000 Häuser sind stark beschädigt und die Innenstadt wurde gesperrt, da die großen Geschäftsgebäude einsturzgefährdet sind. Außerdem ist die Stadt wegen der vielen Rohrbrüche überflutet. Feuer gibt es sogut wie keine, da es keine Gasleitungen gibt. Die Häuser haben eigene Gasflaschen. Die Stromversorgung ist soweit wiederhergestellt und Hilfe rollt an, vor allem in Form von Tanklastern mit Trinkwasser. Natürlich ist es auch politisch ein großes Thema: Viele Häuser sind nicht versichert und der Staat hilft nur bis 100.000$ Schäden. Andere Häuser standen auf Untergrund der eigentlich nicht hätte bebaut werden dürfen. Auch in der Umgegend ist einiges los, da das Epizentrum dort lag. Allerdings ist die Gegend wenig besiedelt. Glück im Unglück und fast schon ein Wunder für alle ist aber, dass es keine Toten und nur wenige Verletzte gibt. Nur am Wasser sind jetzt weitere erkrankt, da sie es nicht abgekocht haben und nicht klar ist, was alles ins Trinkwasser geflossen ist. Trotz allem geht es weiter und die Aufräumarbeiten haben begonnen. Die Fluten in Australien haben schon die Hoheit im Fernsehen übernommen. Und wir sind froh, dass wir uns doch gegen Christchurch entschieden haben. Beinahe wären wir nämlich dort gelandet.