Samstag, 26. Juni 2010

Hoch hinaus

Auf dem Weg ins Northland haben wir uns in Kaiwaka mit leckerstem Käse eingedeckt, leider auch etwas teuer mit $120,-/kg. Zum Abendessen gab es eine Käseplatte in der Little Earth Lodge in Whangarei. Die LEL ist ein stilvoll und neu eingerichtetes Hostel in schöner Umgebung mit zu Fuß erkundbaren Höhlen vor der Tür. Der Hostelhund betätigt sich auch gerne mal als Caveguide, nur bei uns scheint er geahnt zu haben, dass die Höhlen voller Wasser stehen. Oberhalb der Höhlen war es aber auch ganz nett: Dort liegt der treffend bezeichnete Rock Forest.

Steinwald

In der Nähe von Whangarei haben wir einen Walk gemacht, der durch einen Kauriwald zu dem als "most fotogenic" deklarierten Wasserfall führte.

Damit hängen uns die Wasserfallbilder zum Hals raus,
ab jetzt gibt`s Regenbögen!


Von hier aus ging`s weiter nach Paihia, wo wir eine Segelyacht charterten, um die Bay of Islands zu erkunden. Im Sommer ist der Ort total überlaufen, jetzt im Winter ist überhaupt nichts los, obwohl die Temperaturen durchaus noch sommerlich und zum Schwimmen geeignet waren (deutsches Äquivalent: 6. Dezember!).

Starten wir mit einer Besonderheit: Weißer Regenbogen auf stillem Meer.

Unser Schiff, die Honfleur, um die Markus seine Runden schwommte.

Eine große Gruppe Delfine gesellte sich zu unserm Boot und kam ganz nah.

Der Segeltörn endete in Russell. Das ist die erste Stadt Neuseelands, damals als das absolute Höllenloch verschrien, Piratennest und Zufluchtsort für allerlei gescheiterte Existenzen.

Die Anlegestelle von Russell heute.

Russell beherbergt dementsprechend das Hotel mit der ältestens Schankberechtigung (Nr. 1), in dem wir einen kleinen Imbiss zu uns nahmen und dabei versehentlich im French Club aufgenommen wurden. Der French Club trifft sich jeden Donnerstag vor dem Kamin, also genau dort wo wir zwei Ahnungslosen saßen und plötzlich freundlichst auf Französisch begrüßt wurden. Eine der Damen hatte sogar in Mainz studiert und eine Weile gelebt.

Weiter ging es über den angeblich weltbesten Fish&Chips Laden in Mangonui (tatsächlich ganz gut) und den 90 Mile Beach (tatsächlich eher 88km) zum Cape Reinga. Der Strand gehört zum offiziellen Verkehrsnetz von Neuseeland, ist aber mit Vorsicht zu genießen, mancher Backpacker nimmt hier unfreiwillig Abschied von seinem Auto. Hin und wieder tauchen diese dann als rostige Erinnerungen wieder auf.

Wir haben uns getraut, unter netten 3D Wölkchen :-)

Viel wichtiger ist jedoch der für Markus 2. Besuch am Cape Reinga. Der erste fiel buchstäblich ins Wasser und die Sicht betrug gleich null. Dieses Mal hatten wir Glück! Am Cape Reinga, dem inoffiziell nördlichsten Punkt Neuseelands wandern die Seelen der Verstorbenen zurück in die Unterwelt und die Natur bietet ein besonderes Schauspiel: Das Aufeinandertreffen zweier Meere (der Pazifische Ozean und die Tasmanische See). Ein schöner Leuchtturm rundet die ganze Sache ab und die Anfahrt ist auch nicht mehr schwer zu bewältigen: Die ganze Strecke ist seit Kurzem geteert.

The Lighthouse

In der Mitte sieht man das Zusammentreffen der Meere.

Übernachtet haben wir beim Italien Soccer Guy! Der führt das sehr schöne Kahoe Farm Hostel und backt auf Anfrage beste Pizza, macht Pasta, ist ein totaler Fußballnarr und besitzt leidlich intelligent schauende Hausschweine. Er richtet das jährliche erste Fußballspiel der Welt aus und bietet gut fußballspielenden Backpackern kostenlose Unterkunft und Verpflegung, wenn sie eine Weile in seinem Team mitspielen.

Liebesgrüße von Ruby.

Wir machen uns nach dem Besuch des regionalen und nur nach Anmeldung besuchbaren, aber empfehlenswerten Walmuseums wieder in Richtung Süden auf. Die Strecke führt uns jetzt auf der anderen Seite des Northlands hinunter zum Hokianga Harbour, auf dem Christine ihre erste Fahrt mit dem Auto auf einer Fähre antritt.

Alles ein bißchen eng für unser Auto, das selbst ein Schiff ist.

Leider existiert das Markus bekannte Hostel in Opononi nicht mehr, die ehemaligen Hosts werden trotzdem besucht und freuen sich, wenn auch die Erinnerung trübe ist. Wir übernachten in Omapere und brechen am nächsten Tag mit der Fähre zur riesigen Sanddüne zum Sandboarden und Erkunden auf.

Krasses Sand tobogganing!

Nach langer Wanderung endlich auf der Düne angekommen.

Stapfing to the top...

Nachmittags geht es in den Kauriwald. Die riesigen Bäume sind sehr beeindruckend. Der größte noch lebende Kauribaum ist ca. 2000 Jahre alt und nach dem Maori Gott Tane Mahuta benannt. Tane Mahuta ist eines der Kinder von Rangi und Papa (Himmel und Erde), die eng umschlungen ihre Kinder im Dunklen aufwachsen ließen, bis Tane diese auseinanderdrückte und so die heutige Welt schuf. Tane ist mit ca. 52m nicht der höchste Baum der Welt aber aufgrund der besonderen Form der Kauribäume sicher einer der beindruckendsten. Es wird gesagt, dass einheimische Führer einen weiteren, aber geheimgehaltenen größeren Kauri kennen.
Etwas weiter weg steht der zweitgößte Kauribaum (Father of the Forest), der wegen seines größeren Umfangs (16,5m) noch beeindruckender ist. In seiner Nähe befinden sich die Four Sisters, vier Kauribäume, die ganz eng zusammenstehen. Nach deren Besuch mussten wir uns beeilen und sind dem Gewitter gerade noch entkommen.

Good old Tane!

Auf dem weiteren Weg zurück besichtigen wir das Kauri-Museum in Matakohe. Ein Must-See! Hier kann man sehen, wie groß einige der gefällten Kauris waren. Dagegen nimmt sich Tane ziemlich klein aus.

Der zweite schwarze Ring entspricht dem Stamm des Tane.

Die komplette Kauri-Abholz-Geschichte wird mehr als anschaulich und zum Teil sehr liebevoll dargestellt. Man darf fast alles anfassen und vieles ist mit Modellen nachgebaut oder in echt und bewegt sich. Holzpanele aller möglichen Holzarten, die durch das ganze Museum gehen, sind zumindest für Interessierte ein echtes Highlight. Und wer möchte darf sich für 10$ einen kleinen Kauri mitnehmen. In nur ca. 2000 Jahren dürfte das die Nachfahren dann beeindrucken. In Markus Alter sieht ein Kauri so aus:

Beide Jahrgang 1979!

Der letzte Stopp, fast schon wieder in Auckland, führt uns nach Piha - einem mehr als berühmten Surfer-Strand mit dem Lions Rock. Die Wellen sind mächtig und wirken ziemlich gefährlich. In der Piha eigenen Reality-Rescue-TV-Show, die gerade am Strand gedreht wird, dürfen wir leider nicht mitspielen, dazu hätten wir uns in die Fluten werfen und retten lassen müssen. An diesem Strand gibt es die meisten tödlichen Unfälle in Neuseeland.

Jetzt ist klar, woher der Name Lions Rock kommt, oder?

Damit endet der letzte sommerliche Eindruck, den wir nochmal genießen durften, und wir bewegen uns wieder Richtung Süden und es wird deutlich kälter.

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