Montag, 30. August 2010

Abel Tasman National Park 2.-8. Juli

Frisch ausgestattet für den Abel Tasman National Park erreichen wir Motueka und checken im White Elephant ein. Wir bekommen eine nette Cabin mit Ensuite und Platz genug zum Umpacken für die 4-Tagestour, die wir geplant haben. Eine hübsche Katze hat das wohl auch mitbekommen und zieht spontan mit ein.

White Elephant - hübsches Hostel in Motueka

Unsere Route soll von Marahau zur Bark Bay Hut, von dort zur Awaroa Hut, weiter zur Whariwharangi Hut und am letzten Tag über den Inland Track zurück nach Totaranui gehen. Insgesamt ca. 60km in 4 Tagen. Die Hütten haben wir im DOC in Nelson gebucht. Das DOC ist das Department of Conservation und kümmert sich von Naturschutz über Jagdlizenzen bis hin zur Instandhaltung der Hütten um alles in NZ. Das kommt daher, dass das neuseeländische Wandernetz auf ehemaligen angelegten Jagdpfaden liegt. Diese waren nötig, um das sich explosionsartig vermehrte Wild (Schweine, Ziegen, Rotwild) unter Kontrolle zu bekommen. Später wurden die Hütten und Wege auch zur Erholung genutzt. Ebenso haben wir ein Watertaxi gebucht, das uns am Ende unserer Tour abholt und wieder nach Marahau bringt.

Am Abend vor der Abreise braten wir Zwiebeln und Hackfleisch an, um am ersten Stopp Spaghetti Bolognese kochen zu können. Macht immer einen guten Eindruck den anderen gegenüber. Für die nächsten Tage sind gefriergetrocknete Backcountry-Mahlzeiten eingeplant. Dazu Salami, Käse, Pumpernickel zum Lunch. Zum Frühstück gibt es Müsli mit Sojamilch-Pulver und Weetbix. Weetbix sind eine der NZ Frühstückszutaten: ein Riegel aus gepressten Vollkornflocken.

Leider schlägt über Nacht bei mir eine Erkältung zu und legt mich flach. Aber es geht alles ganz gut aus: Wir buchen ein Watertaxi zum zweiten Stopp für den nächsten Tag, packen die Lebensmittel neu und verlängern im Hostel um einen Tag. Ein sonniger, warmer Tag, gute Pflege von Christine und die Gesellschaft der Katze lassen mich wieder rasch genesen.

Startklar im Watertaxi

Am nächsten Morgen geht es los! Wir fahren früh morgens nach Marahau und parken unser Auto auf dem Parkplatz der Watertaxi Company. Weil es nachts kalt werden soll, prangt auf meinem Rucksack zusätzlich eine zusammengerollte Fleecedecke. Ich hoffe die Anwesenden vermuten, dass ich mehr nicht brauchen würde, Kiwi-Style. Der Schlafsack ist im Rucksack vor den Blicken verborgen.

Auf dem Weg zum ersten Stopp setzen wir eine Gruppe Tagestouristen in der Torrent Bay aus, die direkt den 4-Stunden-Weg nach Marahau zurückwandern. Der Bootsführer vergisst nicht, uns vorher am Wahrzeichen vorbeizuschippern: Dem Split Appel, einer netten Felsformation.

Split Appel Rock - runder Fels, in der Mitte gespalten

Wir werden in der Bark Bay ausgesetzt. Trockenen Fußes, was leider eine halbe Stunde extra Marschzeit bedeutet. Überhaupt müssen wir uns an nasse und kalte Füße gewöhnen! Dafür ist das Wetter großartig: Sonne und Wärme mitten im Winter. Die Suche nach der Abkürzung, die nur bei Ebbe möglich ist, beginnt und endet immer an irgendeinem Fluss oder Bach, der über das Watt fließt und zu tief zum Durchlaufen ist. Wir entscheiden uns dann doch für die alternative Flut-Route.

Kein Tunnel, nur der Übergang in den Busch

Der Track führt durch den Busch und am Strand zwischen vielen Buchten entlang. Zwischendurch sind steile Anstiege zu überwinden, wenn es über ein Kliff zur nächsten Bucht weitergeht. Die Strandstrecken erweisen sich allerdings als ganz besonders kräftezehrend, da man immer so tief einsinkt.

on the beach

Ziemlich erledigt erreichen wir die erste Hütte in Awaroa Bay, in der schon der Ofen an ist und die ersten Wanderer sich eingerichtet haben. Insgesamt sind wir nicht mehr als zwei handvoll. Ziemlich wenig los zu dieser Jahreszeit. Eine kurze, mehr rituelle Waschung im Freien am Waschbecken erfrischt ungemein.

Awaroa Bay Hut - Abel Tasman Coastal Track

Der Tag verabschiedet sich mit einem fantastischen Sonnenuntergang, danach wird es stockfinster. Der Ofen bullert schön vor sich hin und ein paar Jungs sorgen dafür, dass niemandem kalt wird, indem sie kontinuierlich nachlegen.

Sonnenuntergang in der Awaroa Bay

Am nächsten Morgen verlassen wir als letzte die Hütte. Ein Blick zurück offenbart: Alles sauber, ordentlich und das Holz ist nachgefüllt. Tramper-Ehre. Die nächste Etappe ist nur bei Ebbe begehbar. Trotzdem passiert das, was wir unbedingt vermeiden wollten: Trotz Warten auf den tiefsten Stand kommt über einen Fluss permanent Wasser nachgeströmt und wir müssen die Schuhe ausziehen und einen Teil durchwaten. Nach ca. 5 Minuten spürt man den Kälteschmerz aber nicht mehr und es geht fröhlich weiter. Später steht wieder die Sonne hoch am Himmel, vertreibt die morgentliche Kälte und belohnt uns mit extra blauem Himmel. Auf der weiteren Strecke entedecken wir DEN Picknickspot und nutzen die Möglichkeit zur Lunchpause. Von der anderen Richtung kommt uns ein Pärchen aus Auckland entgegen. Nett wie wir sind, übergeben wir unseren Sitzstein nach einem kurzen Gespräch und ziehen weiter. Wieder geht es hoch und runter, durch tolles Buschgelände und immer mal wieder an fantastischen, einsamen Stränden entlang. Bald kommen wir zum Campingplatz in Totaranui wo wir unsere Wasserflaschen endlich auffüllen können.

eine Straße, viele Bäume...

Kurz zuvor begegnete uns eine weitere Wanderin. Alleine, gehetzt und auf dem Weg nach Awaroa. Wir versuchen sie dazu zu überreden umzukehren, da sie erst bei Dunkelheit und bei Flut in der Bucht ankommen wird, dann nicht mehr in die Hut kann und es keinen Shelter gibt. Doch sie läuft weiter. Wir hoffen, dass es ihr wie den anderen unvorbereiteten, schlecht ausgerüsteten Jugendlichen geht, die wir immer mal wieder antreffen: Dass ihr Glück ihnen irgendwie das Leben rettet, dass es nicht regnet und sie nicht erfrieren oder sie sich nicht den Knöchel brechen in ihren Schühchen.

Wieder geht es teils steil bergan, auf den vielleicht einsamsten Teil des Tracks. Weiter als bis Totaranui fährt kein Watertaxi und so ist hier auch im Sommer einigermaßen Ruhe. Auf einem Campingplatz, der für die Kajakfahrer angelegt ist, machen wir die letzte Rast und entdecken einen Seelöwen im Wasser, der parallel zum Strand entlang schwimmt. Zwar gelingt uns kein Foto, aber trotzdem rennen wir ihm hinterher, um herauszufinden, warum er es so eilig hat. Leider ohne Erfolg. Gestärkt geht es auf die letzte Etappe des heutigen Tages. Nach einem steilen Abstieg öffnet sich ein Felsenfenster auf ein beindruckendes Arrangement der Natur.

Blick durch`s Felsenfenster

Wenig später geht es nochmal bergan, man kann das Ende des Parks erahnen und wir wissen, dass es nun zur letzten Hütte geht. Über ehemaliges Farmland geht es bergab und wir kommen an die vielleicht schönste Hütte Neuseelands. Ein zur Hut umgebautes Farmhaus von ca. 1890.

Whariwharangi Hut

Wieder brennt der Ofen, draußen sitzt in unbekanntes Pärchen in der Sonne und wir trinken erstmal einen Kaffee. In der Hütte treffen wir auf die Belgierin, der wir schon zuvor begegnet sind. Sie sitzt wieder direkt neben dem Ofen und lässt sich da auch für die Nacht nieder. Da die Holzbox leer ist, hacke ich draußen genügend Scheite für 5 Nächte und wir richten uns im 1. Stock über dem Ofen ein. Schnell wird es warm und wir kommen im Gemeinschaftsraum bei Kerzenlicht ins Gespräch.

timber sport

Als alle ins Bett gehen, beschließt die Belgierin neben dem Ofen zu schlafen, um nachts nicht zu frieren. Gegen 3 Uhr wachen Christine und ich auf: Es hat sicher über 30 Grad in unserem Zimmer und unten hören wir permanent die Ofentür auf- und zugehen. Die Wärme steigt nach oben und wir liegen wie auf dem Grillrost, trotz Nachtfrost und schlechter Isolierung.
Morgens dann die Überraschung: Was für 5 Nächte gereicht hätte, wurde in einer Nacht verfeuert! Meine Erklärungen, dass ein Ofen dann am Besten heizt, wenn die Tür zu ist, wurden ignoriert und so war alles Holz von ihr in der Nacht verfeuert worden. Zu meinem Entsetzen berichte sie, dass ihre Vorräte nachts von einer Maus angenagt worden seien. Sie hatte eine 8-Tagestour geplant, um das Watertaxi zu sparen, war alleine unterwegs und hatte an Lebensmitteln: 8 Bananen und Äpfel zum Frühstück, 32 Scheiben Brot und 8 Dosen Thunfisch zum Mittag- und Abendessen. Das ist zu wenig. Außerdem fragte sie ständig, ob wir wüssten, wie das Wetter würde. Als Erklärung kam dann, dass sie keine Regensachen und nur die Jeans, die sie anhat, dabei hätte. Noch jemand, den ich an seinen Schutzengel empfohlen habe.

Bevor wir aufbrechen, erkunden wir die Gegend und entdecken alte Landwirtschaftsgeräte und weitere Ruinen. Wieder als letzte, aber bei bestem Wetter und nach Müsli und Kaffee verlassen wir etwas traurig die Hütte - hier wären wir gerne 2 Nächte geblieben - und folgen dem Wegweiser zum Inland Track zurück nach Totaranui. Zuerst geht es steil bergauf, aber die Aussicht entschädigt für alles.

nice view

Außerdem kommen wir an einen Platz an dem es ein fantastisches Echo gibt. Nach einigem Rumalbern geht es weiter und wir kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus. In alle Richtungen sieht es toll aus!

Rundumsicht auf dem Gibbs Hill Track

Auf dem höchsten Punkt, dem Gibb's Hill, nach einem letzten Anstieg machen wir in der Mittagshitze Pause, genießen die Aussicht und leeren unsere Wasserflaschen. Fast 1,8l hatten wir pro Person dabei. Zum Glück ist es nicht mehr allzuweit bis nach Totaranui. Mit der Hitze haben wir allerdings auch nicht gerechnet. Genauso wenig damit, bis zur Nordinsel und zum nördlichsten Zipfel der Südinsel blicken zu können.

In Totaranui haben wir noch viel Zeit und kochen wieder einen Kaffee. Entspannt warten wir auf das Watertaxi, das uns auf dem Rückweg noch bei einer Seelöwenkolonie vorbeifährt und uns bei einem eher unspektakulären Felsloch über die Nordinsel und die Australier aufklärt:

"Ehemals war Neuseeland eine einzige Insel. Diese spaltete sich in drei auf. Der größte Teil ist weit abgedriftet, heißt heute sowas wie Australien und ist recht unbedeutend. Der andere Teil, nördlich von hier, heißt Schweineland und die Bewohner Schweineländler. Am wichtigsten und tollsten ist aber die Südinsel, wo wir leben. Der einzige Nachteil ist, dass die Schweineländler durch ihr Felsloch mit dem Schiff durchfahren können. Wir in ca. 10.000 Jahren aber auch."

Auf dem weiteren Weg wird noch viel gelacht und wir bekommen Kekse während wir einzelne Gruppen einsammeln. Abends fallen wir wieder im White Elephant ein und beenden die Tour beim Inder mit wirklich gutem Essen.

Die Schutzengel haben es gut mit allen gemeint: Unsere Regensachen und die Fleecedecke haben wir völlig umsonst mitgeschleppt.

3 Kommentare:

  1. endlich, nachdem ich melonen meilen gereist bin bis ans ende des labyrinths zum schloß am ende der koboldstadt, kann ich auch mal dazusenfen ;)
    gut gemacht!
    bin gespannt bei euch und erlebe eure abenteuer immer in gedanken mit.
    grüssle
    flo

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  2. Hey Ihr Suessen!
    Mein Neid begleitet Euch, waehrend ich hier vor mich hin arbeite und mein Schicksal verfluche. Aber wartet nur: Bald, baaaaaald bin auch ich frei, und dann geht's rund!
    Habt Spass und passt gut auf Euch auf - und schreibt huebsch fleissig weiter Eure tollen Geschichten: Das ist fuer uns quasi Urlaub aus zweiter Hand.
    Kuesse und eine dicke Umarmung,
    Simona

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  3. klingt sehr schön! noch ganz viel spass euch zweien! wir freuen uns, wenn ihr mal wieder hier seid!
    marian

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